Eintrittskarte von 1904 dokumentiert Große Damensitzung in Hanau

Eintrittskarte von 1904 dokumentiert Große Damensitzung in Hanau
Eintrittskarte von 1904 dokumentiert Große Damensitzung in Hanau | Bild: © Stadtarchiv Hanau

Eine seltene Postkarte aus dem Stadtarchiv erinnert an die närrische Jahreszeit vor gut 120 Jahren: Es handelt sich um eine Eintrittskarte der Ersten Hanauer Carneval-Gesellschaft zur Großen Damensitzung am 1. Januar 1904. Auf der Rückseite berichteten Teilnehmerinnen der Veranstaltung ihren Verwandten in Dettelbach bei Würzburg, sie hätten „heute Nacht Neujahr gefeiert haben“ und ab „6.03 Uhr“ offenbar weiter großes Vergnügen gehabt.

Die Karte und ihr Bild

Die Karte wurde im Lichtdruck bei C. F. Fay in Frankfurt am Main gefertigt. Der Fotograf und Verleger Carl Friedrich Fay lebte von 1853 bis 1918 und ist unter anderem durch seine Bildbände „Bilder aus dem alten Frankfurt“ bekannt geworden. Auf der Aufnahme ist der Vereinsvorstand mit Prinz Carneval und mehreren Ministern zu sehen. Ob die abgebildeten Herren den Ablauf der Sitzung in gleicher Ernsthaftigkeit verfolgten wie auf dem Foto, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei klären. In der Druckgrafik grüßen zwei beschwipste Putten mit Narrenkappen, und als Motto ist zu lesen: „Kinder und Narren darüber ist Klarheit, sagen in Hanau immer die Wahrheit.“

Ein Bericht aus dem Hanauer Anzeiger

Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen, stieß im Hanauer Anzeiger vom 2. Januar 1904 auf einen zeitgenössischen Bericht zur Sitzung. Dem Artikel zufolge fand die Veranstaltung im Saal des Deutschen Haus der Hofbierbrauerei in der Steinheimer Straße statt. Dort habe „Prinz Carneval das Szepter“ geschwungen und die Darbietungen hätten allgemeinen Beifall gefunden.

Der Bericht nennt als Eröffnungsnummer eine Szene mit dem Titel „Der moderne Faust“. Weiterhin habe der erste Vorsitzende der Gesellschaft, der Zigarrenfabrikant Wilhelm Bein, die Närrinnen und Narren begrüßt. Besonders gelobt wurden zwei Nummern: „Unsere Über-Jugend“, ein Tanz von vier Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren, der mehrfach wiederholt werden musste, und die Lokalszene „Ein Faschingsspuk“ von „Hanovia“, in der unter anderem die Gebrüder Grimm und der Graf Philipp Ludwig auftauchen. Das Programm sei mit Beiträgen der Ulanenkapelle versehen worden und mit einer Nummer für den Herrenabend beendet worden, bevor der Tanz eröffnet wurde.

Vereinsgeschichte und kultureller Zusammenhang

Die Erste Hanauer Carneval-Gesellschaft entstand aus dem Hanauer Reitclub und wurde am 1. Januar 1893 gegründet. Das Gründungsjahr fällt in dieselbe Zeit wie die Entstehung des Fußballclubs 1. Hanauer FC 93. Die Karte aus dem Stadtarchiv ist damit ein Dokument lokaler Vergnügungs- und Vereinskultur am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Das Stadtmuseum Hanau stellt solche Objekte regelmäßig vor. Auf der Seite www.museen-hanau.de erscheint jeden Montag ein neues „Objekt der Woche“, das in Bild und Text Besonderheiten der Hanauer Sammlungen präsentiert.

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